...und nun also Organisationsrebellen

Christina de Vries

Haufe hat zur Blogparade zu Organisationsrebellen aufgerufen. Organisationsrebellen - wieder eine neue Schublade. Gibt's dafür auch schon eine App? Dann kann ich ja mal durchklicken und schauen, wie rebellisch ich bin…

Ich bin einfach unschlüssig, wie ich diese Trendschubladen finden soll. Ja, es ist wichtig, Dingen einen Namen zu geben. Und ja, neue Dinge brauchen neue Namen. Und manchmal brauchen alte Dinge neue Namen, um wieder Schwung zu bekommen. D'accord.

Dennoch finde ich die Labelling-Kultur der letzten Jahre unheimlich anstrengend. Erst ist alles agil, dann macht man New Work und nun ist man Organisationsrebell. Aber das Vertrackte daran ist: Eigentlich weiß keiner so richtig, was es bedeuten soll. Denn jeder beansprucht für sich die Deutungshoheit und leitet seine Begrifflichkeiten unterschiedlich her. Das ist mindestens dichterische Freiheit, hilft aber nicht, Ideen zu schärfen und ein gemeinsames Verständnis zu erreichen. Sicherlich ist das auch nicht immer das Ziel, aber was habe ich davon, die aktuellsten Begriffe auf meinem Profil / Blog / Webauftritt zu haben, wenn doch am Ende gar nicht klar ist, was dahintersteht?

Es gibt aber Möglichkeiten, um nicht als Name-Dropper und Buzzword-Bingo-Spieler wahrgenommen zu werden. Man kann über das schreiben und sprechen, das einen wirklich beschäftigt und bewegt. Inhalte, hinter denen man steht, Ideen und Impulse, denen man folgt. Authentizität ist der Schlüssel. Dann kann auch ein Sog entstehen, eine Anziehungskraft, die andere mitnimmt. Und gemeinsam lassen sich Berge versetzen, egal wie groß.

Was heißt das für "Organisationsrebellen"? Dass es völlig egal ist, wie wir sie nennen oder ob wir sie überhaupt als solche bezeichnen würden. Was wirklich zählt, sind ihr Selbstverständnis und ihre Idee. Die Veränderung selbst in die Hand zu nehmen und auch mal gegen den Strom zu schwimmen. Dieselbe Frage zum hundertsten Mal mit Freude zu beantworten, weil sich jemand dafür interessiert. Anders- und weiterzudenken und kritisch zu hinterfragen, aber auch mal einen Schritt zurücktreten können, um zuzuhören und zuzusehen und Impulse anderer wirken zu lassen, dann durchatmen und weitermachen.

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